Fabienne Romer | Konzertpianistin


Wer kennt Hermann Suter?

Antonia Frey, Mezzosopran
Fabienne Romer, Klavier

13.01.2012: BauArt Basel
15.01.2012: Waaghaussaal St. Gallen
22.01.2012: Gartensaal Villa Boveri Baden

Das Projekt: „Wer kennt Hermann Suter?“

Hermann Suter ist eine der grossen Figuren der Schweizer Musikgeschichte. Und
er hat das Schweizer Musikleben ein Vierteljahrhundert lang geprägt. Das sind zwei banale Tatsachen. So banal, dass man glauben könnte, Suters Musik müsste im Schweizer Musikleben bis heute eine wichtige Rolle spielen. Doch so sehr man ihn
als Dirigenten und Musikförderer in ehrender Erinnerung behalten haben mag: seine Musik wird kaum noch gespielt. Die aus Basel stammende Mezzosopranistin Antonia Frey und die Pianistin Fabienne Romer aus dem Kanton St. Gallen, heute beide wohnhaft in Suters Heimatkanton Aargau, kommen deshalb mit der Frage nach St. Gallen: „Wer kennt Hermann Suter?“ Die beiden jungen Musikerinnen hatten sich Suters Lieder zunächst nur aus purer Neugierde angeschaut, dann aber rasch festgestellt, dass sie hier auf Liedkompositionen von höchster Qualität gestossen waren. Sie haben Suters Lieder deshalb in ihr Repertoire aufgenommen und stellen im Januar 2012 zwei seiner Liedwerke vor: das frühe Opus 2 und das späte Opus 22.

Hermann Suters Werkverzeichnis umfasst nur gerade 26 Werke mit Opuszahlen, und das Klavierlied nimmt in diesem schmalen Oeuvre erst noch relativ wenig Platz ein – mit den Liedern op. 2 und op. 22 ist die Hälfte von Suters Liedschaffen im Programm des Duos Frey-Romer vertreten. Doch diese wenigen Lieder reichen aus, um Hermann Suter (zusammen mit Hans Huber) als bedeutendsten Schweizer Liedkomponisten vor Othmar Schoeck erscheinen zu lassen. Keinem anderen Schweizer Komponisten ist es in den Jahren um 1900 gelungen, die innovativen Lied-Ideen eines Hugo Wolf und eines Richard Strauss auf so eigenständige Weise weiterzuspinnen. In den Liedern op. 2 hat Suter eben erst zu dieser eigenen Liedsprache gefunden. In seinem Opus 22 verdichtet er sie zu einer letzten Aussage – er erreicht hier einen poetischen Gipfelpunkt, an dem sich Verinnerlichung und Expressivität auf eindringliche Weise die Waage halten.

Zwischen diesen beiden Liedwerken bringt das Duo Frey-Romer Musik von zwei Komponisten zur Aufführung, die zu Hermann Suters musikalischen Leitsternen gehörten: Johannes Brahms und Richard Strauss. Mit der Musik von Brahms verbindet ihn bereits ein prägendes Jugenderlebnis: Mit 17 Jahren erlebt er in Basel ein Konzert, in welchem Brahms sein Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester dirigiert. Von da an begleitet ihn Brahms' Musik durchs ganze Leben. Wie sehr er sie verehrt, zeigt unter anderem die Tatsache, dass er in seinen Basler Jahren die vier Brahms-Sinfonien mehrere Male in Zyklen dirigiert. Noch weit verdienstvoller ist in dieser Zeit sein Einsatz für die Musik von Richard Strauss, den er als 22jähriger Student persönlich kennen gelernt hat und dessen Instrumentalwerke er dem eher konservativen Basler Publikum mit der Leidenschaft eines musikalischen Anwalts an Herz legt. 1905 schreibt er in der Schweizer Musikzeitung: „Misstrauen ist das Gefühl, mit dem dieser Komponist bis jetzt von den meisten Basler Konzertbesuchern empfangen wurde.“ Diesem Misstrauen hält Suter entgegen: „Wir haben in Strauss eine künstlerische Kraft vor uns, die es drängte, in der Musik vor allem die stolze Freude einer freien, grossen Persönlichkeit der Engherzigkeit und Kleinlichkeit des Alltags gegenüber zu stellen.“

Dass Suter hier ein Ideal formuliert, dem er auch selber nachstrebte, steht ausser Frage; dass er in Basel dennoch bis zu einem gewissen Grad von dieser Engherzigkeit beengt blieb, ebenfalls. Aber wie sehr er in seinen besten Werken – zu denen die Lieder op. 22 sicher zu zählen sind – zu einer musikalischen Aussage fand, die über weit mehr als bloss regionale Ausstrahlungskraft verfügt, kann das Publikum im Liederabend von Antonia Frey und Fabienne Romer hörend erfahren.

Das Programm:

Hermann Suter (1870-1926)

5 Lieder op. 2:
Bitte
Stille Sicherheit
So lass mich ruhen ohne Ende
Gestirne
Der Kranz

Johannes Brahms (1833-1897)

6 Lieder op. 86:
Therese
Feldeinsamkeit
Nachtwandler
Über die Heide
Versunken
Todessehnen

Richard Strauss (1864-1949)

Am Ufer, op. 41 Nr. 3
Leise Lieder, op. 41 Nr. 5
O süsser Mai, op. 32 Nr. 4
Frühlingsgedränge, op. 26 Nr. 1
Die Nacht, op. 10 Nr. 3
Glückes genug, op. 37 Nr. 1

Hermann Suter

4 Lieder op. 22:
St. Nepomuks Vorabend
Am fliessenden Wasser I
Am fliessenden Wasser II
Gasel

Das Projekt wird unterstützt durch

Stadt Baden